Merken Manchmal braucht man einfach etwas Scharfes, das den ganzen Tag wegbrennt. An einem verregneten Dienstagabend, als ich keine Lust auf komplizierte Rezepte hatte, warf ich Ramen-Nudeln, Hühnchen und alles Gemüse, das noch im Kühlschrank lag, in den Wok. Der Dampf stieg auf, der Knoblauch brutzelte, und plötzlich roch die ganze Küche nach diesem perfekten Mix aus Sesam, Ingwer und Chili. Es war einer dieser glücklichen Zufälle, die man immer wieder nachkochen will. Seitdem ist dieses Gericht meine Rettung, wenn es schnell gehen muss, aber trotzdem richtig gut schmecken soll.
Ich erinnere mich noch, wie ich dieses Gericht zum ersten Mal für Freunde gekocht habe, die spontan vorbeikamen. Alle saßen in der Küche, tranken Bier und schauten zu, wie ich den Wok schwenkte und der Dampf aufstieg. Einer meinte, es rieche wie in seinem Lieblings-Imbiss in Berlin, und genau das wollte ich hören. Wir aßen direkt aus den Schüsseln, jeder würzte nach, und am Ende war kein einziger Nudelfaden übrig. Seitdem ist es mein Go-to, wenn Besuch kommt und ich nicht stundenlang in der Küche stehen will.
Zutaten
- 2 Hähnchenbrustfilets, in dünne Streifen geschnitten: Dünne Streifen garen schneller und nehmen die Sauce besser auf, also lieber etwas Geduld beim Schneiden haben.
- 2 Packungen (ca. 200 g) Instant-Ramen-Nudeln (Gewürzpäckchen weglassen): Die Nudeln selbst sind perfekt, aber die Gewürzpäckchen brauchen wir nicht, wir machen unsere eigene, viel bessere Sauce.
- 1 rote Paprika, in dünne Streifen geschnitten: Sie bringt Süße und Farbe ins Spiel und wird im Wok schön weich, ohne matschig zu werden.
- 1 Tasse Brokkoli-Röschen: Brokkoli mag ich hier, weil er die Sauce aufsaugt und trotzdem schön knackig bleibt, wenn man ihn nicht zu lange brät.
- 1 Karotte, in Julienne geschnitten: Dünne Streifen garen gleichmäßig und sehen einfach professioneller aus, auch wenn es ein bisschen Arbeit ist.
- 2 Frühlingszwiebeln, in Scheiben geschnitten: Ein Teil kommt zum Schluss dazu, damit sie frisch und mild bleiben, nicht verkocht.
- 2 Knoblauchzehen, fein gehackt: Knoblauch ist die Basis für den ganzen Geschmack, also nicht sparen und nicht anbrennen lassen.
- 1 Esslöffel frischer Ingwer, gerieben: Frischer Ingwer macht den Unterschied, das Pulver kommt geschmacklich einfach nicht ran.
- 3 Esslöffel Sojasauce: Die salzige Grundlage, die alles zusammenhält und den typischen Umami-Kick gibt.
- 1 Esslöffel Sriracha oder Chili-Knoblauch-Sauce (nach Geschmack anpassen): Hier bestimmst du, wie feurig es wird, ich fange immer vorsichtig an und würze dann nach.
- 1 Esslöffel Austernsauce: Sie bringt eine leicht süßliche, komplexe Tiefe, die man sonst nur aus dem Restaurant kennt.
- 1 Esslöffel Sesamöl: Das nussige Aroma ist unverwechselbar, aber bitte erst am Schluss dazugeben, nicht zum Anbraten.
- 2 Teelöffel brauner Zucker: Balanciert die Schärfe und die Salzigkeit perfekt aus, ohne dass es süß schmeckt.
- 2 Esslöffel Wasser: Verdünnt die Sauce ein bisschen, damit sie sich besser verteilt und nicht zu klebrig wird.
- 1 Esslöffel geröstete Sesamsamen (optional): Zum Drüberstreuen, für den letzten Crunch und das schöne Aussehen.
- Frischer Koriander oder Frühlingszwiebel-Scheiben (optional): Frische Kräuter geben am Ende nochmal einen Frischekick, der alles abrundet.
Zubereitung
- Nudeln kochen:
- Die Ramen-Nudeln nach Packungsanweisung kochen, dann abgießen und beiseite stellen. Sie sollten noch etwas Biss haben, weil sie später nochmal kurz im Wok landen.
- Sauce anrühren:
- Sojasauce, Sriracha, Austernsauce, Sesamöl, braunen Zucker und Wasser in einer kleinen Schüssel verquirlen und beiseite stellen. So hast du alles griffbereit, wenn es schnell gehen muss.
- Hühnchen anbraten:
- 1 Esslöffel Pflanzenöl in einem großen Wok oder einer Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze erhitzen, das Hühnchen dazugeben und 4 bis 5 Minuten pfannenrühren, bis es gerade durchgegart ist. Hühnchen herausnehmen und beiseite stellen.
- Aromaten anbraten:
- Knoblauch und Ingwer in denselben Wok geben und 30 Sekunden unter Rühren braten, bis es herrlich duftet. Pass auf, dass nichts anbrennt, sonst wird es bitter.
- Gemüse anbraten:
- Paprika, Brokkoli und Karotte dazugeben und 3 bis 4 Minuten pfannenrühren, bis das Gemüse gerade weich, aber noch knackig ist. Die Hitze sollte hoch genug sein, damit alles schön Röstaromen bekommt.
- Alles zusammenfügen:
- Das Hühnchen zurück in den Wok geben, die gekochten Nudeln dazugeben und die Sauce darübergießen, dann alles gut vermengen und 2 bis 3 Minuten durcherhitzen. Die Sauce sollte jetzt alles schön umhüllen.
- Frühlingszwiebeln einrühren:
- Die Frühlingszwiebeln unterrühren, abschmecken und bei Bedarf mehr Sriracha oder Sojasauce hinzufügen. Jetzt ist der Moment, um es perfekt auf deinen Geschmack abzustimmen.
- Servieren:
- Heiß servieren und nach Belieben mit gerösteten Sesamsamen und frischen Kräutern garnieren. Am besten schmeckt es, wenn man direkt aus der Schüssel isst.
Merken Einmal habe ich dieses Gericht für meinen Bruder gekocht, der eigentlich nie scharf isst. Ich hatte die Sriracha-Menge halbiert, aber er schwitzte trotzdem und meinte grinsend, dass er jetzt verstehe, warum ich so darauf stehe. Wir saßen noch eine Stunde zusammen, tranken kaltes Bier und redeten über alles Mögliche. Manchmal braucht es nur eine Schüssel scharfe Nudeln, um einen ganz normalen Abend in Erinnerung zu verwandeln.
Die richtige Schärfe finden
Ich habe gelernt, dass Schärfe sehr persönlich ist und man lieber vorsichtig anfängt. Beim ersten Mal habe ich einfach die Sriracha-Flasche über alles gekippt und konnte danach kaum noch schmecken. Jetzt rühre ich die Sauce mit einem Esslöffel an, probiere kurz und entscheide dann, ob mehr rein soll. Wer es richtig feurig mag, kann auch frische Chili-Scheiben oder Chiliflocken dazugeben. Am Tisch kann dann jeder nochmal nachwürzen, so sind alle glücklich.
Gemüse nach Saison und Laune
Das Schöne an diesem Gericht ist, dass man wirklich jedes knackige Gemüse nehmen kann, das gerade da ist. Ich habe schon Zuckerschoten, Babymais, Champignons und sogar Pak Choi reingeworfen, alles funktioniert. Im Sommer nehme ich gerne Zucchini und grüne Bohnen, im Winter eher Kohl und Karotten. Wichtig ist nur, dass das Gemüse in ähnlich große Stücke geschnitten wird, damit alles gleichzeitig gar wird. So wird das Rezept nie langweilig und man kann immer wieder variieren.
Was dazu passt und wie man serviert
Ich serviere das meistens direkt aus dem Wok in großen Schüsseln, jeder bekommt seine Portion und kann selbst garnieren. Dazu passt ein eiskaltes Lagerbier oder, wenn man es authentischer mag, gekühlter Jasmintee. Manchmal mache ich noch einen schnellen Gurkensalat mit Reisessig und Sesam als Beilag, das erfrischt schön zwischen den scharfen Bissen. Ein paar Limettenspalten auf dem Tisch sind auch nie verkehrt, der Säurekick hebt alles nochmal auf ein anderes Level.
- Geröstete Sesamsamen und frische Kräuter immer erst ganz am Schluss drübergeben, sonst verlieren sie ihre Frische.
- Reste lassen sich super aufwärmen, einfach in der Pfanne mit einem Schuss Wasser kurz durchschwenken.
- Wer es vegetarisch mag, tauscht das Hühnchen einfach gegen festen Tofu oder extra Gemüse, die Sauce trägt das Gericht sowieso.
Merken Dieses Gericht hat mir gezeigt, dass gutes Essen nicht kompliziert sein muss, sondern vor allem ehrlich und voller Geschmack. Ich hoffe, es wird auch bei dir zu einem dieser Rezepte, die man einfach auswendig kann und immer wieder gerne kocht.